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Magazin > Japankino > Rendezvous mit Godzilla
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Bevor Godzilla seine bewährte Gestalt bekam, hatte es Pläne gegeben, einen gigantischen Oktopus aus dem Meer kriechen zu lassen. Das wäre freilich eher im Stile der Zeit gewesen, die auf amerikanischer Seite mit Riesenspinnen und Außerirdischen geradezu gespickt war. Seien wir den Leuten der Toho-Studios dankbar, dass sie sich für einen etwas vermenschlichten Dinosaurier entschieden haben – was wäre eine japanische Großstadt ohne das tapsige Monster, welches alle paar Jahre brüllend durch die Straßen marschiert.

Der Schrei des Godzilla wurde alsbald zu seinem Markenzeichen. Umso unglaublicher klingt dessen Entstehungsgeschichte: Der Komponist Akira Ifukube, üblicherweise ein Garant für klassische Filmmusik, strich mit einem Lederhandschuh über die Saiten eines Kontrabasses.  Der Klang wurde ein wenig verhallt und akustisch aufgemöbelt – et voilà. Wo heute einer ganzen Armee von Tontechnikern die Synthesizer heißlaufen würden, ging es damals noch richtig rustikal zu. In Anbetracht des Millionenpublikums handelt es sich bei Godzillas Schrei vermutlich um das populärste Werk für Kontrabass solo, das je komponiert wurde – wenngleich es sehr kurz ist.

Godzilla gebührt die Ehre, einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit Japans geleistet zu haben.  Von Anfang an waren die Parallelen zur jüngeren Geschichte des Landes unverkennbar – als nukleares Beiprodukt verstrahlt Godzilla alles und jeden; wer nicht durch seinen Feuerhusten umkommt, stirbt später an radioaktiver Verseuchung. Wo haben wir das bloß schon mal gehört…Wer sich heute den ersten Film der Godzilla-Serie anschaut, kann sich ein gutwilliges Schmunzeln nicht verkneifen. Die Schiffe, die der 50 Meter-Gigant versenkt, sehen aus, als schwämmen sie in der Badewanne des Regisseurs.  Auch wird der aufmerksame Zuschauer feststellen, dass die Godzilla bedrängenden Kampfflugzeuge an feinen Drähten befestigt sind. In der Tat erinnert die Originalkulisse eher an Spielzeug denn Arbeit. 

Der einzige, der es richtig schwer hatte, war Haruka Nakajima. Der Gummianzug, den der Godzilla-Darsteller trug, wog massige 91 Kilogramm. Auch war es im Inneren so heiß, dass in regelmäßigen Abständen der Schweiß des tapferen Schauspielers aus dem Kostüm abgezapft werden musste.Wer es nicht lassen kann, der sollte sich in den Spaceworld-Vergnügungspark in Kitakyushu begeben. Dort findet der Godzilla-Fan eine Ausstellung über die Pioniertage; zahlreiche Fotos und Anschauungsobjekte warten auf interessierte Monsterfreaks.



 
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