Washi - bunte VielfaltJapanpapier - washi - vermittelt ein unverwechselbares taktiles Erlebnis und ist immer äußerst dekorativ, welche Form es auch annehmen mag. Washi hat nicht ohne Grund eine weit über die Grenzen Japans hinausreichenden Ruf und findet auch bei Nicht-Spezialisten hohe Anerkennung.
Herstellung
Tororo-Aoi, Blüte + WurzelknolleWashi wird aus Pflanzenfasern gefertigt, die zunächst zerkleinert, in Wasser gestampft und gekocht werden. Der Brei, der auf diese Weise entsteht, ist durchsetzt von bis zu 3cm langenFasern (je nach Papiersorte), die auch im fertigen Produkt noch gut erkennbar sind und die eines der wichtigsten Merkmale des Japanpapiers darstellen. Damit die Fasern in der dickflüssigen Masse nicht miteinander verklumpen und sich gleichmäßig verteilen, wird dem Brei noch ein dickflüssiger Saft aus der Pflanze tororo aoi zugefügt und gut untergerührt.
Schöpfungsversuch
Auf dem Japanfestival im Ostasiatischen Museum in Köln wurde eine Einführung in das Papierschöpfen von washi durch Meister Goto dargeboten. Die Teilnehmerschar gruppierte sich um einen großen Holzbottich und ließ sich zuerst einmal von Meister Goto die Technik des Papierschöpfens vorführen und erklären. Der Meister demonstrierte die Bewegungen, die nötig sind, um ein Blatt Papier erfolgreich zu schöpfen.
Papierschöpfrahmen
Man nehme das Papierschöpf-Sieb (durchweg aus Holz und Bambus) in die Hände und lege dabei, wichtig, die Daumen oben auf die Griffe. Nun ganz entspannt mit dem Sieb etwas Brei schöpfen, dann hin und her- und auf und abschwenken, wieder hin und her (vielleicht ging es auch andersherum...) und schließlich - schwupp - weg mit dem Brei, zurück in den Bottich. Diese Abfolge sollte man idealerweise mehrfach wiederholen, bis sich auf dem Sieb eine ausreichende Schicht an Pflanzenfaserbrei angesammelt hatte.
Anschließend das Schöpfsieb aufklappen, die nun breibeschichtete Bambusmatte mit der linken Hand herausnehmen, mit der rechten Hand stützen und mit Schwung hinüberbewegen zur "Trockenstation". Dabei handelte es sich um einen niedrigen Tisch mit 2 Anschlagleisten, an die die Bambusmatte zur genauen Positionierung angelegt werden konnte, um sie dann auf dem Tisch abzulegen. Bambusmatte durch Abrollen vom Papier lösen und für den nächsten Freiwilligen wieder auf der Siebhalterung befestigen. Fertig.
Meister Goto in AktionDas Ergebnis der "Schöpfung" war schließlich ein ausgesprochen dünnes, halbtransparentes Blatt Papier mit sichtbaren, feinen Pflanzenfasern, eine Seite glatt, die andere rauh - immerhin als Washi erkennbar.
Bei aller Einfachheit der Ausrüstung des traditionellen Papierschöpfers ist es doch umso erstaunlicher, welch faszinierende und vielseitige Papiere mit diesen Mitteln geschaffen werden können. In Anbetracht dieser Vielfalt an Papiersorten und Gestaltungsmöglichkeiten erübrigt sich dann auch die Frage, warum "Japanpapier" eigentlich so berühmt ist.
Washi-ABC
- washi: japanisches Papier auf Basis pflanzlicher Rohstoffe; Japanpapier
- kozo: Papier-Maulbeerbaum, Rohmaterial für die Herstellung von Japanpapier
- gampi: Strauchpflanze, Rohmaterial für die Herstellung von Japanpapier
- mitsumata: Strauchpflanze, Rohmaterial für die Herstellung von Japanpapier
- tororo aoi: Pflanze, deren Wurzeln zu einem dickflüssigen Saft verarbeitet werden.
Linktipps Washi
- Toplink 1: Awagami Factory (E)
© V. Nagata, JAPAN access



