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Magazin > Japan-Einblicke > Fuji-san - Erfahrungen an einem mythischen Berg
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Fuji-san - Erfahrungen an einem mythischen Berg
Subashiri Climbing Trail
Der Gipfel des Fuji ist sein Kraterrand
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„Wer es wagt,
sich mit einem Mythos auseinander zu setzen,
bewegt sich in einem Raum
jenseits der Vernunft.“

- Audrey Salkeld, britische Alpinhistorikerin -

Fuji-san aus dem Flugzeug. © Horst NargangFuji-san aus dem Flugzeug. © Horst NargangDer Berg Fuji zeichnet sich durch zwei Superlative aus. Er ist mit 3.776 m die höchste Erhebung Japans und mit seiner ebenmäßigen Kegelform gilt der ruhende Vulkan auch als schönster Berg des Insellandes und ist ein Wahrzeichen Japans.
Daneben ist der Fuji für die Japaner ein mythischer, ein heiliger Berg und sie nennen ihn ehrfurchtsvoll Fuji – san. Das bedeutet „ehrenwerter Fuji“.
Daher meinen die Japaner, man solle einmal im Leben eine Art Pilgerreise auf sich nehmen und den Fuji-san besteigen.

Dies geschieht in jedem Jahr, wenn die offizielle Saison eröffnet ist – in der Regel von Mitte Juni bis Ende August.
Dann hat der Berg seine so malerisch anmutende Schnee- und Firnkappe abgelegt und die Prozessionen zum Shinto-Schrein auf dem Gipfel beginnen.

Ich hatte Heike vor drei Jahren im Himalaya getroffen, als ich von der Besteigung des Lobuje Peak nach Namche Bazar zurückkam. Zwei Jahre später hatte Heike ihre Himalaya-Feuertaufe auch an ebendiesem Berg im Everest-Gebiet bestanden.
In diesem Jahr nun erlaubten die beruflichen Umstände ein Treffen in Nagoya, einer schönen Großstadt 250 km südwestlich von Tokyo.
Das gemeinsame Bergziel war damit schnell gefunden: Der Fuji! Der Berg liegt gewissermaßen vor den Toren der beiden Städte und wir wollten die Idealform der Besteigung, mit dem Erlebnis eines Sonnenaufgangs auf dem Gipfel, erleben.

Wir hatten uns in der Japan Rail – Station in Nagoya Zugtickets für den „Local Train“ besorgt und wollten die Erfahrung einer Bahnreise mit diesem oft überfüllten Beförderungssmittel machen. Daneben war der Fahrpreis um Einiges günstiger als im Superzug „Shinkansen“, der japanischen Variante unseres Intercity-Zuges.

In der JR-Station Nagoya. © Horst NargangIn der JR-Station Nagoya. © Horst Nargang Wie erwartet blieb mir nur ein Stehplatz und unsere Reise fand schon nach ca. einer Stunde durch einen Zwangsstop in Hamamatsu ein vorläufiges Ende. Der Zug konnte wegen der schweren Regenfälle weiter nördlich nicht mehr weiterfahren.
Wahrscheinlich war das Gleisbett unterspült worden.
Die Reservierung unserer Plätze im Bus, der uns um 18.oo Uhr von Shizuoka zum Ausgangspunkt für die Fuji-Besteigung bringen sollte, war in Gefahr. Eine Telefonverbindung mit der Busgesellschaft war auch nicht herzustellen und wir waren zum Warten auf dem Bahnsteig in Hamamatsu verurteilt, während uns die Zeit unaufhaltsam davonlief...
Der „Shinkansen“, das bemerkten wir, konnte aber auf seiner etwas höher angelegten Trasse noch verkehren. Ungehindert rauschten die schnittigen weißen Züge durch den Bahnhof . Also fuhren wir wieder eine Station zurück in die Ausgangsrichtung Nagoya, wo der Expresszug hielt, und nahmen die schnelle Schienenvariante nach Shizuoka – leider nicht schnell genug. Unseren Bus hatten wir dennoch verpasst.

Im Verkaufsbüro am Busterminal konnten wir aber noch Tickets für eine Fahrt zur „New 5. Station“ bekommen. Es war der letzte Linienbus, der an diesem Tag das Ziel Fuji hatte. Wir hatten trotz allem noch Glück gehabt...
Um 20.00 Uhr verließ unser Bus den Bahnhofsvorplatz. Der Regen hatte wieder eingesetzt! Sorgenvoll blickte ich durch die beschlagenen Scheiben nach draußen. Wenn das Wetter so blieb, konnte das ja ein denkwürdiger Aufstieg zum Fuji werden!
Eine ganze Weile ging die Fahrt durch die Stadt, dann nahm der Fahrer den „Tomei-Expressway“, die Autobahn, Richtung Tokyo. Außer Heike und mir befanden sich nur noch zwei weitere Fahrgäste im Bus, die aber bald ausstiegen. Somit hatten wir – welch ein Luxus für japanische Verhältnisse – gewissermaßen ein Riesentaxi für uns alleine, das mit uns zum Ausgangspunkt für unsere Bergbesteigung unterwegs war.

Es sollte für die nächsten 24 Stunden der einzige Luxus bleiben, den die Umstände für uns bereit hielten...
Wir hatten es uns in den komfortablen Sitzen bequem gemacht und schlummerten hin und wieder ein. Draußen regnete es noch immer. Nach etwa einer Stunde Fahrzeit wollte sich Heike beim Fahrer vergewissern, ob er auch wirklich zur 5. Station Fuji fahre. Er verneinte ihre Frage in radebrechendem Englisch: „ No Fuji, no!“. Das sollte wohl nicht unser Tag sein! Aus den schnell auf Japanisch hervorgebrachten Erklärungen des Fahrers konnten wir uns keinen Reim machen.
„No Fuji“, wohin fuhr er aber dann??

Ich kramte meinen Höhenmesser aus dem Rucksack, um den weiteren Verlauf der Fahrt durch die Dunkelheit zu verfolgen. Längst hatten wir die Autobahn verlassen und die Landstraße wand sich immer noch bergan. Das beruhigte uns. Die neue 5. Station sollte in ca. 2000m NN liegen.
Und nun begann ein spannender Countdown. Heike nannte mir in Abständen ihre Höhenmessung vom Handgelenk-Chronometer und ich verglich mit den Werten meines Geräts: 1600m, 1700m,... bis schließlich die 2000m –Marke überschritten wurde.
Nun fiel uns doch ein Stein vom Herzen, denn es war klar, wir wurden doch zur Ausgangsstation für die Fuji-Besteigung gebracht... Zum Glück wieder eine Sorge weniger!
Auch der Regen hatte nachgelassen, der Scheibenwischer des Busses hatte in den letzten Minuten nur noch auf Intervallschaltung gearbeitet und wurde schließlich ganz abgeschaltet. Gut so! Kurz darauf verließ der Fahrer die Straße und bog auf einen großen Parkplatz ab, der von einigen größeren, spärlich beleuchteten Gebäuden eingefasst wurde.



 
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