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| Fuji-san - Erfahrungen an einem mythischen Berg |
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| Der Gipfel des Fuji ist sein Kraterrand |
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Um 21.20 Uhr waren wir am vorläufigen Ziel angelangt. Die Türen des Busses öffneten sich und wir stiegen aus. Das war also die 5. Station. Ein Touristenauffangbecken bstehend aus einigen Hotelgebäuden sowie Verkaufsläden. Um uns beide auf seinen noch geöffneten Laden aufmerksam zu machen, rief der Besitzer mit Unterstützung eines Megaphons schnatternd seine Werbeparolen in unsere Richtung.
Er hatte diverse Besteigungsutensilien im Angebot: Hölzerne Bergstöcke, die mit einem silbernen Glöckchen und japanischer Flagge verziert waren, Sauerstoff in Dosen mit integrierter Atemmaske (!) , allerlei Andenken-Nippes und – Regenschirme! Hier hatte man an alles gedacht!
Wir machten uns marschbereit, indem wir die Stirnlampen aufsetzten, schulterten die Rucksäcke, verließen den verwaisten Parkplatz und schritten in das Dunkel hinein.
Nun waren wir tatsächlich am Fuji! Es war 22.oo Uhr.
Es war ein schönes Gehen in angenehm frischer Luft. Die Stirnlampen warfen ihre gelben Lichtkreise auf den Waldweg und öfters mussten wir großen Wasserpfützen ausweichen.
Aufstieg im strömenden Regen. © Horst Nargang
„Dieses Jahr ist ein Regenjahr, wie es Japan schon lange nicht mehr erlebt hat“, hatte mir ein junger Student erklärt, mit dem ich im Zug von Nagoya nach Hamamatsu ins Gespräch gekommen war. Wegen des schlechten Wetters reife auch der Reis nicht aus...
Und wir hatten in Europa den Jahrhundertsommer!
Nach etwa einem halben Kilometer war es dann auch wieder soweit: Zunächst spürte man nur einzelne, kleine Tröpfchen auf der Gesichtshaut, doch dann fiel der Regen in dicken, schweren Tropfen. Ausgerechnet...! Die Kapuze der Regenjacke musste nun zum Schutz eingesetzt werden und Heike zog ihre Schirmmütze noch tiefer in die Stirn.
Bald schon war meine leichte Kletterhose durchnässt und klebte an den Beinen.
Doch es sollte noch unangenehmer kommen...
Der Fuji-san gilt bei vielen Japanern auch heute noch als heiliger Berg und der Weg auf seinen Gipfel als Pilgerroute, die in insgesamt neun Stationen unterteilt ist.
Wir überholten nun die ersten Pilger mit ihren langen, hölzernen mit silbernen Glöckchen versehenen Gehstöcken.
Um 23.oo Uhr erreichten wir die 6. Station, eine kleine Hütte, davor eine Schautafel, die den Verlauf des Anstieges verdeutlichte. Ein Japaner drückte mir einen Flyer in die Hand, auf dem ebenfalls der „Direktanstieg“, für den wir uns entschieden hatten, skizziert war. Daneben gab es noch eine Reihe von Verhaltenmaßregeln. Die wichtigste war wohl, wegen gefährlicher Gerölllawinen auf keinen Fall den markierten Subashiri-Trail zu verlassen.
Von nun an ging es kontinuierlich – der Kegelform des Fuji folgend – zunehmend steiler werdend bergauf.
Ganze Gruppen von Pilgern tauchten nun im Gänsemarsch vor uns auf, die von ihren Führen aufwärts geleitet wurden.
Die Guides schienen dem Dauerregen keinerlei Beachtung zu schenken und sorgten mit ihren Kommandorufen, die sie in sich überschlagenden Silben in die Nacht hinausschrieen, für ein unablässiges Hintergrundgeräusch.
Dazu fuchtelten sie mit ca. 50 cm langen roten Leuchtstäben, deuteten hierhin und dahin. Sie wirkten hier wie Verkehrspolizisten auf einer belebten Kreuzung.
Bis weit hinauf in die Hänge des Berges wand sich die flimmernde Schlange der Leuchtpunkte aus den Stirn- und Taschenlampen der kletternden Pilgergruppen und verlor sich irgendwo im Dunkel. In den kleinen Hütten, die zu den neun Stationen auf dem Wege zum Gipfel gehören, kauerten durchnässte Bergsteiger um Feuerstellen und wärmten sich auf. Aber diese Einrichtungen waren überfüllt, wirkten ungemütlich und waren zudem - auch für japanische Verhältnisse – sehr teuer.
Hinzu kam die schier unerträgliche Geruchsaura, die aus den kleinen hölzernen Verschlägen der sanitären Einrichtungen drang. Sie allein nötigte zum Weitersteigen...
Wir machten daher nur zweimal kurze Trinkpausen bei den Hütten und setzten unseren Aufstieg fort.
3.100 m – die Luft wurde nun spürbar dünner.
Am Rande des Aufstiegspfades kauerten erschöpfte Japaner ungeachtet des niedergehenden Regens und rangen keuchend um Atem – manche inhalierten schon an ihren weißen Sauerstoffdosen, die es in den Ausrüstungsläden der 5. Station zu kaufen gab.
Der Weiterweg führte über Schlacke und Vulkanaschefelder, die kein ungehindertes Steigen erlauben. Immer wieder verliert man auf dem rutschigen Untergrund den Tritt.
Mit zunehmender Höhe – hier erfuhr die Binsenweisheit eine Steigerung – wurde somit alles mühsamer.
Allerdings braucht man für den Aufstieg zum Fuji während der Besteigungssaison, wenn die Firnfelder im oberen Bereich abgeschmolzen sind, keine Westalpen- oder gar Himalayaerfahrung. Aber Kondition und Ausdauer sollte man schon mitbringen.
Da man sich auch noch in relativ kurzen Zeit aus den Küstenregionen des Pazifiks in eine Höhe von fast 4.000 m begibt, bleiben auch die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit nicht aus.
Ein Anflug von Kopfschmerzen deutete sich bei mir an. Später kam auch noch ein leichtes Schwindelgefühl dazu. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob dieses Gefühl von unsicheren Untergrund herrührte, auf dem ich mich vorwärtsbewegte, oder ob die Höhe dafür verantwortlich war. Aber nachdem auch Heike über Schwindelgefühle klagte, war die Sache eindeutig.



