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Magazin > Japan-Einblicke > Asakusa ist eine Hure (10-tlg.)
Beitragsseiten
Asakusa ist eine Hure (10-tlg.)
2: Die Götter wollen unterhalten sein
3: Baumscheren nur von Familie Hirano
4: Wir halten hier zusammen
5: Zum Dessert ein bisschen Glück
6: Vor der eigenen Haustür fegen
7: Touristen glauben, sie seien in einem Fest
8: Der Sohn von Kim Jong Il war da
9: Geisha ist ein Job. Schön, aber hart
10: Abendstimmung in der Nakamise
Alle Seiten

«Wir halten hier zusammen»
Einmal im Monat treffen sich die Kaufleute und Handwerker aus ihrem Teil des Viertels, planen die nächsten Stadtteilfeste, sprechen Verkaufspreise ab, plaudern über neue Läden und das, was man an Klatsch aus der Kabuki-Szene hört.

«Asakusa ist nicht Tokyo. Wir hier halten zusammen», sagt Satomi. «Und irgendwann werden Yuto und Ryoto den Laden übernehmen.» Weil sie rechnen können – nicht aus verklärter Romantik und Nostalgiegefühlen heraus. Für den Blick zurück hat man in Asakusa ohnehin nicht viel übrig. 
«Wer das da neben Opa ist – keine Ahnung», rätselt die Achtundzwanzigjährige, während sie durch ein altes Fotoalbum blättert, das sie der Fremden zuliebe aus einer Kiste gezerrt hat. «Und das hier war wohl der Bau dieser Werkstatt. Nach dem Erdbeben damals, oder Oto-san?» Ihr Vater guckt etwas ratlos: «Tja, vom Erdbeben hat der Grossvater wohl schon öfter erzählt, aber ehrlich gesagt hat ihm nie jemand richtig zugehört.»

Das grosse Kanto-Beben 1923, Trümmer-Tokyo. Der Zwölfstöcker barst entzwei, Steinhaufen dort, wo vorher Häuser standen. Die Flammen leckten schon am Sensoji. Da drehte der Wind ganz plötzlich, Regen prasselte auf den Tempel. 
«Ein Wunder», raunten die Leute von Asakusa. Und rappelten sich wieder auf. Damit kannten sie sich aus – Asakusa flirtete mit dem Leben stets wie mit dem Tod. Unzählige Brände hatten die Gassen mit den Holzhäusern immer wieder verwüstet. Beim Feuerwerk, das im Sommerhimmel tanzte. Oder wenn die Trinker im Sake-Suff vergassen, die Kerzen auszudrücken, bevor sie auf ihren Tatamimatten in den Schlaf fielen.

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du - Zeitschrift für Kultur
Ausgabe 773
Thema: Tokyos altes Herz. Bei Kannon, der glücklichen Göttin
ISBN 978-3-03717-031-1
12,- Euro, 20 CHF
erhältlich im Buchhandel, am Kiosk oder unter www.dumag.ch

Und schliesslich die Bomben des Krieges. Immer verscheuchte hernach wieder Aufbruchstimmung die Verzweiflung aus den engen Strassen. Das alte Kaminarimon, das Donnertor mit dem roten Lampion – auferstanden aus Ruinen.
Der Präsident von Panasonic persönlich bezahlte 1960 den Wiederaufbau, aus Dankbarkeit dafür, dass ein Priester vom Sensoji sein Knie geheilt habe. Wer nicht genau hinguckt, könnte es für ein Edo-Relikt halten. Anderswo in den Gassen gab man sich weniger Mühe, schnöden Beton zu verstecken, der die abgebrannten Holzfassaden ersetzen sollte.



 
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