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Magazin > Japan-Einblicke > Asakusa ist eine Hure (10-tlg.)
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Asakusa ist eine Hure (10-tlg.)
2: Die Götter wollen unterhalten sein
3: Baumscheren nur von Familie Hirano
4: Wir halten hier zusammen
5: Zum Dessert ein bisschen Glück
6: Vor der eigenen Haustür fegen
7: Touristen glauben, sie seien in einem Fest
8: Der Sohn von Kim Jong Il war da
9: Geisha ist ein Job. Schön, aber hart
10: Abendstimmung in der Nakamise
Alle Seiten

Der Sohn von Kim Jong Il war da
Aber trotz Festen: Die Alten sagen, es sei ruhiger geworden in Asakusa. An Markttagen räumen die Händler ihren Kram heute bereits mittags zusammen, das Gewimmel hält nicht an. Die Stadt wuchs halt, und irgendwie wuchsen wohl auch die Dinge und Menschen aus Asakusa hinaus. Die Jugend zog ins lärmende Lichterstakkato des Fashionstadtteils Shibuya, die Bars und Nutten ins glitzernde Rotlichtviertel Shinjuku.

Darüber ist auch das alte Kurtisanenviertel Yo-shiwara müde geworden. Nicht mal auf der Strassenkarte ist das Viertel eingetragen, auf dem Weg vom Tempel ins einstige Mekka der Schönheit steht die Hässlichkeit Spalier – graue Wohnblocks, breite Asphaltbänder, billige Lovehotels, in die sich die Lust nur mühsam schleppt. 

Ungezähmte Bedeutungs- und Reizlosigkeit. Tagsüber gähnen Yoshiwaras Strassen, die Schlepper vor den Badehäusern, den sogenannten «Soaplands», treten lustlos von einem Bein aufs andere, ein paar Zuhälter polieren ihre Angeberschlitten, die der Gegend ihren einzigen, schwachen Schimmer verleihen. Abends blinken hier und da ein paar Lichter mehr, ein grünes, gelbes, rotes Stakkato der Monotonie, manchmal schaffen es ein paar Musikfetzen auf die Strasse, wenn eine Tür sich öffnet.

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du - Zeitschrift für Kultur
Ausgabe 773
Thema: Tokyos altes Herz. Bei Kannon, der glücklichen Göttin
ISBN 978-3-03717-031-1
12,- Euro, 20 CHF
erhältlich im Buchhandel, am Kiosk oder unter www.dumag.ch

1958 hatten die Amerikaner die Bordelle geschlossen. Liebe darf man offiziell nicht kaufen in Japan. Allenfalls das Vergnügen, sich in einem warmen Bad zu entspannen und sich anschliessend massieren zu lassen. «Mit fünf Kunden am Tag ist es okay für mich», sagt Rika aus dem «Blue Note», eine Thai wie viele ihrer Kolleginnen, die halbnackt und irgendwie-um-die-20-Jahre-alt darauf warten, dass sie einen Fremden mit Flüssigseife und ihrem Körper abreiben können. «Für mich wären auch Ausländer okay, aber die wollen sie hier nicht.»

Vor ein paar Jahren, davon erzählen sie heute noch, war der älteste Sohn des Nordkorea-Diktators Kim Jong Il da, im teuren «Y»-Soapland. Einer mit Geld, der es auch ausgeben wollte. «Der hätte lieber zu mir kommen sollen», lacht Rika. Natürlich wird sie zurückgehen irgendwann, mit viel Geld in der Tasche, natürlich wird sie heiraten, ein guter Mann und Kinder gehören in ihre Tagträume. Wenn sie erst mal fertig ist mit Yoshiwara, diesem Niemandsland mit den vergessenen Häuserzeilen.



 
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