Zunächst einmal führe ich Interviews mit den japanischen Kollegen.
Dabei stellt sich ziemlich schnell heraus, dass deren Frustration ebenso groß ist, wie die der Deutschen.
Die Projektmitglieder haben das Gefühl, nicht respektiert zu werden. Es kommt ihnen vor, als würden sie "am langen Arm verhungern", weil das Mutterhaus so weit entfernt ist und ihnen die Strukturen nur ansatzweise verständlich sind. Sie fürchten, dass aufgrund des fehlenden Verständnisses des Mutterhauses für die japanische Markt- und Kundensituation das Projekt misslingt und sie damit sowohl in Deutschland als auch bei dem Kunden ihr Gesicht verlieren werden.
In den Interviews und den anschließenden gemeinsamen Workshops werden den Teammitgliedern die oben beschriebenen grundsätzlichen internationalen Dynamiken, ebenso wie die folgenden typisch deutsch-japanischen Missverständnisse und Dynamiken schnell deutlich.
Typische deutsch-japanische Dynamiken
1) Kommunikationsmuster
Kommunikation verläuft in Japan und in Deutschland sehr unterschiedlich. Erfahrungsgemäß kann eine erhöhte Internationalität das Bewusstsein dafür zwar schärfen, jedoch nicht grundsätzlich etwas daran ändern.
Ein Beispiel aus einer Telefonkonferenz:
Deutscher Teilnehmer: "Wir warten noch auf die Kennzahlen vom letzten Quartal. Wann können Sie die denn liefern?."
Japanischer Teilnehmer: "Hhmm, das ist ein wenig schwierig."..
D: "Ja, das kann ich mir vorstellen, aber Sie können doch bestimmt eine Lösung finden. Ich brauche die Zahlen bis Ende der Woche, und zwar dringend."
J: (zögert) "Wir werden es versuchen...."



