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Ein deutscher Akupunkteur in Japan Es sollte nur eine Weltreise werden... |
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Mein Weg nach Japan Heute wohne ich in einem kleinen "Hayama" genannten Ort in Japan. Etwa 1 Stunde Fahrt mit dem Zug von Tokio entfernt an der Pazifikküste. Was hat mich ausgerechnet dorthin verschlagen? Wieder einige Jahre später hat mir ein Schüler Tai Chi erst vorgeführt und später auch etwas vermittelt. Das Gefühl, dass mir manche Dinge, hier im Speziellen manche Sportarten, liegen und andere wiederum keinerlei Anreiz haben, hat schließlich zu einem schicksalhaften Ereignis und dieses wiederum hat mich später nach Japan geführt. Mit 17 habe ich im Fernsehen einen Dokumentarbericht über Kampfkünste gesehen. Da war dann so ziemlich alles vertreten, was man so kennt: Judo, Karate, Aikido, Kendo, Tae Kwon Do, Kung Fu ... und schließlich auch japanisches Bogenschießen = Kyudo. Dabei wird mit sehr langen, aus Bambus gefertigten Bögen auf ein etwa 30 m entferntes Ziel geschossen. Normalerweise stehen die Schützen dabei in einem "Dojo" (einer Übungshalle) auf einem Parkettfussboden und schießen über einen unter freiem Himmel liegenden Rasen auf das Ziel. In der besagten Fernsehsendung jedoch stand der Bogenmeister auf einem Rasen und wurde von vorn gefilmt. Der Film zeigte den Meister, wie er da stand, den Bogen auszog und schließlich den Pfeil fliegen ließ - nicht jedoch das Ziel. Ob der geschossene Pfeil also getroffen hat oder nicht, wurde nicht gezeigt. Die gesamt Szene hat vielleicht nur zwei Minuten in Anspruch genommen. Fünf Jahre später habe ich dann einen Rucksack gepackt und mich - natürlich gegen den Willen meiner Eltern - mit einem Einfachfahrschein für die Transsibirische Eisenbahn auf den Weg gemacht. Eine Reise, die bis nach Yokohama insgesamt 2 Wochen gedauert hat. Zweifel an meinem Entschluss nach Japan zu fahren und der Durchführbarkeit meiner Pläne hatte ich während der 5 Jahre von der Fernsehsendung (mit 17) bis zu meiner tatsächlichen Abreise (mit 22) nie! Einmal in Japan angekommen, stellte ich fest, dass es gar nicht so einfach ist, ein Dojo zu finden. Und schon gar nicht eines, welches meinem aus Büchern und Wunschvorstellungen abgeleiteten Ideal entspräche. Der buddhistische Priester "Koun Suhara" den ich um seinen Rat fragte, riet mir: Wenn du kein Japanisch kannst, wird wohl kaum ein Lehrer willens/fähig sein, dir etwas beizubringen. Und von den grauhaarigen Meistern kannst du nicht erwarten, dass sie deinetwegen Englisch oder Deutsch lernen. Verbringe also erst einmal 1-2 Jahre damit Japanisch zu lernen um komm dann wieder. Von Priester Suhara fasziniert und angeregt habe ich mich entschlossen, mein Touristenvisum in ein Studentenvisum umzuändern und zu bleiben - Dauer unbekannt. Nach Änderung meines Visums habe ich die folgenden 2 Jahre wirklich genossen. Mehrfach wöchentlich Kyudo Übungen, Tee Zeremonie Übungen, tägliche Tai Chi Übungen auf einer die Sagami Bucht überblickenden Bergspitze ... Von meiner Frau und anderen weiblichen Sprachschülern habe ich auch viel gelernt. Nur wusste ich damals noch nicht, dass es hierzulande eine "Frauensprache" und eine "Männersprache" gibt. Und wenn man als Mann Frauensprache verwendet, fällt man sehr unangenehm auf. Da ich Deutschland nach Abitur und Zivildienst verlassen habe, ohne eine Universität besucht oder einen Beruf erlernt zu haben, musste ich mir auch irgendwann einmal Gedanken machen, wie ich in der Zukunft meinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Da dachte ich mir, eine Ausbildung in Akupressur würde mir erlauben, private und berufliche Interessen miteinander zu verbinden und mir eine gesicherte Existenzgrundlage bieten. Nun, ich war jung und unerfahren. Inzwischen weiss ich, dass dies SO einfach nicht ist. Ich bin dann an eine Schule gegangen, wo man außer Akupressur (Shiatsu) auch Akupunktur, Moxibustion und orientalische Massage lernt. Die 3-jährige Ausbildung wird mit dem Staatsexamen beendet, welches dem Inhaber erlaubt, eine eigene Praxis zu eröffnen. Ich zog es jedoch vor, zunächst für eine Weile (vier Jahre) an einem großen Krankenhaus mit einer "Forschungsabteilung für orientalische Medizin" praktische Erfahrungen zu sammeln. Nach dem Krankenhaus habe ich eine Weile nur Übersetzungen gemacht und schließlich 1995 meine eigene SEHR kleine Praxis aufgemacht. Auch heute falle ich in der japanischen Akupunktur Gemeinde noch auf: ein deutscher Akupunkteur, der eine eigene Praxis leitet. Meines Wissens nach gibt es nur SEHR wenige Akupunkturpraxen in Japan die von WESTLICHEN Ausländern geleitet werden. Wenn ein Chinese, ist in Japan ebenfalls Ausländer, hierzulande Akupunktur macht, fällt er/sie damit eigentlich nicht besonders auf.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Land der aufgehenden Sonne.
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