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• Ein deutscher Akupunkteur in Japan

Es sollte nur eine Weltreise werden...
Thomas Blasejewicz lebt seit über 30 Jahren in Japan. Als deutscher Akupunkteur ist er dort eine absolute Ausnahme. Lesen Sie hier, wie es dazu kam, das Blasejewicz diesen ungewöhnlichen Weg einschlug...

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Ein deutscher Akupunkteur in Japan

Es sollte nur eine Weltreise werden...
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Mein Weg nach Japan

Karte von Japan; der Pfeil zeigt meine Wohngegend
Karte von Japan; der Pfeil zeigt
meine Wohngegend

Heute wohne ich in einem kleinen "Hayama" genannten Ort in Japan. Etwa 1 Stunde Fahrt mit dem Zug von Tokio entfernt an der Pazifikküste. Was hat mich ausgerechnet dorthin verschlagen?
In meiner Jugend habe ich mich nacheinander mit diversen Kampfkünsten befasst und dabei herausgefunden, dass Aikido mir "vom Wesen her" lag. Zwischenzeitlich hatte ich auch eine kurze Begegnung mit Kendo, was mir jedoch nicht lag.

Mit ca. 18. Bei der Prüfung
Mit ca. 18. Bei der Prüfung
zum „schwarzen Gürtel“ Aikido
© Blasejewicz

Wieder einige Jahre später hat mir ein Schüler Tai Chi erst vorgeführt und später auch etwas vermittelt. Das Gefühl, dass mir manche Dinge, hier im Speziellen manche Sportarten, liegen und andere wiederum keinerlei Anreiz haben, hat schließlich zu einem schicksalhaften Ereignis und dieses wiederum hat mich später nach Japan geführt.

Mit 17 habe ich im Fernsehen einen Dokumentarbericht über Kampfkünste gesehen. Da war dann so ziemlich alles vertreten, was man so kennt: Judo, Karate, Aikido, Kendo, Tae Kwon Do, Kung Fu ... und schließlich auch japanisches Bogenschießen = Kyudo. Dabei wird mit sehr langen, aus Bambus gefertigten Bögen auf ein etwa 30 m entferntes Ziel geschossen. Normalerweise stehen die Schützen dabei in einem "Dojo" (einer Übungshalle) auf einem Parkettfussboden und schießen über einen unter freiem Himmel liegenden Rasen auf das Ziel.

Mein Bogenlehrer bei einem zeremoniellen Schießen
Mein Bogenlehrer bei einem
zeremoniellen Schießen
© Blasejewicz

In der besagten Fernsehsendung jedoch stand der Bogenmeister auf einem Rasen und wurde von vorn gefilmt. Der Film zeigte den Meister, wie er da stand, den Bogen auszog und schließlich den Pfeil fliegen ließ - nicht jedoch das Ziel. Ob der geschossene Pfeil also getroffen hat oder nicht, wurde nicht gezeigt. Die gesamt Szene hat vielleicht nur zwei Minuten in Anspruch genommen.
Das war aber auch egal. Die Sendung hatte bereits ihre Wirkung getan!
Diese 2 Minuten Fernsehen haben in meinem Kopf eine Art Funken gezündet. Wie vom "Schlag getroffen" hatte ich den Eindruck, DAS ist etwas, was ich machen will/muß.
Meine Suche nach Dojos erbrachte, dass eines in Hamburg und eines in Paris gab. Da ich aber noch jung und idealistisch war, wollte ich natürlich von einem "richtigen" japanischen Meister lernen. Unweigerliche Schlussfolgerung: ich muß nach Japan!

Fünf Jahre später habe ich dann einen Rucksack gepackt und mich - natürlich gegen den Willen meiner Eltern - mit einem Einfachfahrschein für die Transsibirische Eisenbahn auf den Weg gemacht. Eine Reise, die bis nach Yokohama insgesamt 2 Wochen gedauert hat. Zweifel an meinem Entschluss nach Japan zu fahren und der Durchführbarkeit meiner Pläne hatte ich während der 5 Jahre von der Fernsehsendung (mit 17) bis zu meiner tatsächlichen Abreise (mit 22) nie!

Das
Das „Enma Do“ innerhalb des Enkakuji-Tempelbezirks.
Dort hat Priester Suhara ein Kyudo Dojo eingerichtet
© Blasejewicz

Einmal in Japan angekommen, stellte ich fest, dass es gar nicht so einfach ist, ein Dojo zu finden. Und schon gar nicht eines, welches meinem aus Büchern und Wunschvorstellungen abgeleiteten Ideal entspräche. Der buddhistische Priester "Koun Suhara" den ich um seinen Rat fragte, riet mir: Wenn du kein Japanisch kannst, wird wohl kaum ein Lehrer willens/fähig sein, dir etwas beizubringen. Und von den grauhaarigen Meistern kannst du nicht erwarten, dass sie deinetwegen Englisch oder Deutsch lernen. Verbringe also erst einmal 1-2 Jahre damit Japanisch zu lernen um komm dann wieder.

Von Priester Suhara fasziniert und angeregt habe ich mich entschlossen, mein Touristenvisum in ein Studentenvisum umzuändern und zu bleiben - Dauer unbekannt.

Ich mache die Teezeremonie
Ich mache die Teezeremonie
© Blasejewicz

Nach Änderung meines Visums habe ich die folgenden 2 Jahre wirklich genossen. Mehrfach wöchentlich Kyudo Übungen, Tee Zeremonie Übungen, tägliche Tai Chi Übungen auf einer die Sagami Bucht überblickenden Bergspitze ...
Während dieser Zeit habe ich natürlich auch einige Japaner kennen gelernt. Darunter einige gute Freunde, mit denen ich Heute noch Kontakt habe - und natürlich meine Frau. Die Beziehungen zu Japanern haben sicher viel zu meinen Japanischstudien beigetragen.
Zu Problemen kommt es aber, wenn man als Ausländer annimmt, dass die Japaner "richtiges" Japanisch = Hochjapanisch sprechen. Von den männlichen Bekannten habe ich mir unwissentlich ein nicht so sehr wünschenswertes, umgangssprachliches Vokabular angeeignet.

Mit meiner Frau. Damals waren wir noch jung ...
Mit meiner Frau.
Damals waren wir noch jung ...
© Blasejewicz

Von meiner Frau und anderen weiblichen Sprachschülern habe ich auch viel gelernt. Nur wusste ich damals noch nicht, dass es hierzulande eine "Frauensprache" und eine "Männersprache" gibt. Und wenn man als Mann Frauensprache verwendet, fällt man sehr unangenehm auf.

Da ich Deutschland nach Abitur und Zivildienst verlassen habe, ohne eine Universität besucht oder einen Beruf erlernt zu haben, musste ich mir auch irgendwann einmal Gedanken machen, wie ich in der Zukunft meinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Da dachte ich mir, eine Ausbildung in Akupressur würde mir erlauben, private und berufliche Interessen miteinander zu verbinden und mir eine gesicherte Existenzgrundlage bieten. Nun, ich war jung und unerfahren. Inzwischen weiss ich, dass dies SO einfach nicht ist. Ich bin dann an eine Schule gegangen, wo man außer Akupressur (Shiatsu) auch Akupunktur, Moxibustion und orientalische Massage lernt. Die 3-jährige Ausbildung wird mit dem Staatsexamen beendet, welches dem Inhaber erlaubt, eine eigene Praxis zu eröffnen.

Studienzeit in der Forschungsabteilung für orientalische Medizin Tamagawa Hospital
Studienzeit in der Forschungsabteilung
für orientalische Medizin Tamagawa Hospital
© Blasejewicz

Ich zog es jedoch vor, zunächst für eine Weile (vier Jahre) an einem großen Krankenhaus mit einer "Forschungsabteilung für orientalische Medizin" praktische Erfahrungen zu sammeln.
Die Beschäftigung im Krankenhaus verhinderte, dass ich mich auch weiterhin dem Bogenschießen, der Tee Zeremonie und dergleichen widmete.
Dafür hatte ich im Krankenhaus aber reichlich Gelegenheit, Dinge zu lernen, die ich anderswo wohl nicht gelernt hätte. Als deutscher Akupunkteur in einem japanischen Krankenhaus, nicht einmal eben zu Besuch, sondern angestellt: damit war ich eine exotische Erscheinung. Ein Umstand, der oft sehr zu meinem Vorteil beigetragen hat.

In meiner eigenen Praxis
In meiner eigenen Praxis
© Blasejewicz

Nach dem Krankenhaus habe ich eine Weile nur Übersetzungen gemacht und schließlich 1995 meine eigene SEHR kleine Praxis aufgemacht. Auch heute falle ich in der japanischen Akupunktur Gemeinde noch auf: ein deutscher Akupunkteur, der eine eigene Praxis leitet. Meines Wissens nach gibt es nur SEHR wenige Akupunkturpraxen in Japan die von WESTLICHEN Ausländern geleitet werden. Wenn ein Chinese, ist in Japan ebenfalls Ausländer, hierzulande Akupunktur macht, fällt er/sie damit eigentlich nicht besonders auf.

Meine Familie; Neujahr 2005
Meine Familie; Neujahr 2005
© Blasejewicz


So ist es gekommen, dass aus einer für 1 Jahr geplanten Weltreise ein permanenter Aufenthalt in Japan geworden ist. Inzwischen haben wir unsere silberne Hochzeit gefeiert und vier recht große Kinder.
Gerade auch im Hinblick auf meinen Beruf als Akupunkteur versuche ich seit einiger Zeit, wenn entsprechende Anfragen kommen, Ausländern bei deren Suche nach Möglichkeiten orientalische Medizin in Japan zu lernen, behilflich zu sein.

Blick auf den Fuji San und die Sagami Bucht an einem Wintervormittag
Blick auf den Fuji San und die
Sagami Bucht an einem Wintervormittag
© Blasejewicz

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Land der aufgehenden Sonne.
Thomas Blasejewicz



Text + Fotos : © Thomas Blasejewicz

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Akupunktur-Spezialisten / Akupunkteure:
- www.einklang.com Die Homepage von Thomas Blasejewicz, Akupunkteur (D, E, J)
- www.japanische-akupunktur.de: Praxis für klassische japanische Akupunktur, Anita Kröffges (D)
- www.japan-akupunktur.de. Praxis für japanische Akupunktur, Mourad Bihman (D, E)
- www.akupunktur-therapeuten.de: Verzeichnis von Akupunktur-Spezialisten in Deutschland (D)
- www.kinderakupunktur.org: Ausbildungszentrum Mitte für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (D)
(Die hier genannten Links stellen keine Empfehlungen aufgrund persönlicher Erfahrung dar!)
Über Akupunktur:
- Wikipedia: Akupunktur (D)
- www.special-akupunktur.de: Akupunktur-Portal (D)
- http://www.akupunktur-aktuell.de/inhalt.htm: Akupunktur-Portal (D)

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