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Asakusa ist eine Hure, Teil 1 weiter zu Teil 2/8 |
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Sirupgetränktes Popcorn, fussballspielende Grossmütter, Vergnügungsboote, Japans erstes Kino, Monstershows und Geishas – im ältesten Viertel Tokyos war die Sinnenlust schon immer zu Hause. Und inmitten Kannon, die vielleicht glücklichste Göttin der Welt. Um von einer Welt in die andere zu kommen, muss man in Tokyo durchs Dunkel gehen: Salarymen in schwarzen Anzügen verstopfen die U-Bahn, bis zum Bahnhof Ginza scheint es an jeder Station enger zu werden und dichter und dunkler. Dann spült es immer mehr Menschen nach draussen. Die Station Ueno gleitet vorbei, noch ein Stück, dann Asakusa. Aussteigen. Die kühlen gläsernen Fassaden Shimbashis, in denen sich die Zukunft spiegelt, grüssen aus der Ferne, vom Dach der Asahi-Brauerei am Fluss gleisst die von Philippe Starck designte goldene Flammenskulptur im Vormittagslicht wie ein wuchtiger Füller, den jemand dort abgelegt und vergessen hat, an der grossen Kreuzung steht der Morgenverkehr. Und dann ist da dieses Tor. Ein wuchtiger knallroter Lampion baumelt in der Mitte, farbenprächtig gewandete Rikschafahrer lümmeln in ihren Gefährten davor, und nun sind es nur noch ein paar Schritte. Hindurch. Auf die andere Seite des Tors. In ein anderes Leben. «Ohayo- Morgen!» grunzt die gebückte Alte vom Süssigkeitenladen, während sie ein paar ausgeräumte Warenkartons vor die Tür hinter dem Haus stellt, «Genki – alles klar?» Ihre Nachbarin grunzt zurück. «Warst gar nicht im Sentô heute Morgen, was war denn los?» «Mein Bein, weisste doch!» Sie nicken sich zu, sind schon verschwunden, und vorne rattern die Rollläden hoch, enthüllen die falschen Schwerter, die billigen Yukatas, die kitschigen Häschenfigürchen in Kimonos und süsse Kaminariokoshi, eine Art sirupgetränktes Popcorn. In der Seitenstrasse kickt eine betagte Obasan vor einem Schaufenster Bälle mit ihrem Enkel, zwei Fahrradfahrer halten an für ein Pläuschchen, zwei faltige alte Männer hocken vor einem verwitterten Holzbrett in der Morgensonne und spielen Go.
«Asakusa ist eine Hure!» kichert Ryoko, während sie im Kannon-Onsen auf einem Schemel sitzt und ihre Wäsche mit einem Stück Seife rubbelt. «Asakusa hat sich immer gut verkauft, so haben wir hier auch leben können! Die alten Shogune haben Asakusa oft mit einer Lotosblume verglichen: eine wunderschöne Pflanze, die besonders gut auf modrigem Schlamm wächst!» (Zur Fortsetzung hier klicken... ) • weiter zu Teil 2/8 : "Die Götter wollen unterhalten sein"
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