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Asakusa ist eine Hure , Teil 5 weiter zu Teil 6/8 |
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Zum Dessert ein bisschen Glück Am Asakusa-Shinto-Schrein, gleich neben dem buddhistischen Sensoji, posiert steif eine Braut im traditionellen weissen Übermantel fürs Familienbild, auf dem Kopf trägt sie die traditionelle Haube, unter der sich Ärger und Eifersucht verstecken sollen. 700 000 Yen, rund 7000 Schweizer Franken, haben sie den Priestern geben müssen für die vierzig Minuten Zeremonie. Drei Monatsgehälter für die Götter im Schatten der Kannon. Doch die Gemütlichkeit verteidigt ihre Plätze in Asakusa. Unter den Fujinohana-Ästen etwa, die sich wie ein Himmel über die kleine Gasse breiten, in der es den einzigen Ort gibt, an dem in Asakusa die Zeit wirklich stehengeblieben ist: «Sunny», mehr ein Wohnzimmer als ein Café. Mit neun Wanduhren unter der Decke, deren Zeiger in alle Richtungen zeigen. «Raum und Zeit, hier finden sie zusammen», schwärmt ein Gedicht, das irgendein Poet nach ein paar Bieren hier auf ein Papier gekritzelt hat. Jetzt hängt es gerahmt an der Wand. Ein Alter beobachtet hinter seiner Zeitung ein Pferderennen im Fernsehen. «Deep Impact, wer sonst!» krächzt er enttäuscht, als der erste Zosse durchs Ziel prescht; der Typ neben ihm notiert sich noch das Ergebnis vom letzten Lauf. «Yottsu, wakatta!» ruft «Sunny»-Inhaber Toyohiku Mano gerade ins Telefon, «vier Kaffee, kannst du gleich abholen!» Das Wasser kocht schon. Drei alte Damen sitzen am Tresen, rühren in ihren Cappuccini. «Morgen kaufe ich ein Los!» hustet eine. «Dann kannst du ja bald mit deinem Reinigungsladen aufhören», witzeln die anderen beiden. «Und auf Weltreise gehen!» «Die da», flüstert Mano, «ist das wandelnde Internet Asakusas, die weiss hier alles von jedem! Aber was soll’s – wir sind ja auch irgendwie eine grosse Familie, was meinst du Chihiro?» Chihiro Kawakami, der Sohn des 89jährigen Tenugui-Malers Keiji Kawakami, nickt und malt ein paar Kästchen auf eine Serviette, jedes Kästchen für ein Haus.
«Eigentlich fegen Asakusas Leute erst mal vor ihrer eigenen Haustür», erklärt er. «Aber rechts und links und nach vorne hin fegt man höflicherweise immer auch genau einen Fuss lang darüber hinaus. Nebenbei managt Chihiro den Tempelkindergarten, plant ein neues, revolutionäres Kabuki-Theater, organisiert Ausstellungen und überlegt schon, wie man noch mehr Touristen nach Asakusa holen könnte, wenn ab 2011 der neue Fernsehturm, der «World Tower Sumidaku», erst einmal in der Nähe steht. Visionen für Asakusa. Für einen Stadtteil, der alt werden, aber nicht altern will. An der Rokkudori, ein paar Strassen weiter, ist unterdessen der Nachmittag eingezogen. Von den Plakaten schreien die grotesk bemalten Gesichter der Kabuki-Schauspieler, die Heiligen der Komödien und Dramen. Auf Asakusas Bühnen beginnen oft Weltstadtkarrieren, immer noch. Die Neujahrsvorstellungen im Engei-Schauspielhaus, wenn die Kabuki-Newcomer sich vorstellen – ausverkauft, alle Jahre wieder. Das Publikum ein buntes Durcheinander. (Zur Fortsetzung hier klicken... ) • weiter zu Teil 6/8 : "Touristen glauben, sie seien in einem Fest"
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