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• Asakusa ist eine Hure, Teil 8

Geisha ist ein Job. Schön, aber hart
Auf halbem Weg zum Sensoji und doch Welten von ihm entfernt malt Norie ihren Mund gerade zu einer kleinen roten Kirsche. Wirtschaftswissenschaften hat sie studiert, und manchmal hört sie Rockmusik, surft im Internet oder schreibt sms an ihre Freundinnen. (Teil 8 lesen...)
Ein Artikel von Silke Pfersdorf, "du - Zeitschrift für Kultur"

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Asakusa ist eine Hure , Teil 8

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Geisha ist ein Job. Schön, aber hart
Auf halbem Weg zum Sensoji und doch Welten von ihm entfernt malt Norie ihren Mund gerade zu einer kleinen roten Kirsche. Wirtschaftswissenschaften hat sie studiert, und manchmal hört sie Rockmusik, surft im Internet oder schreibt sms an ihre Freundinnen. Bevor sie sich am Nachmittag in einem kleinen Okiya-Haus hinter der Kototoid ori in einen Schmetterling der Nacht verwandelt. Mit prächtigem Kimono und weissem Gesicht.

Norie ist eine Geisha, wie schon ihre Mutter und Grossmutter. Eine Frau, zu deren Geheimnissen ihr Geburtsjahr gehört, denn «eine Geisha hat kein Alter». Die Zeiten, in denen eine Geisha mit ihren «Schwestern» unter der Knute ihrer Okasan, einer Art Ziehmutter, in der Okiya lebte, sind längst vergangen. Norie und ihre Kolleginnen leben in eigenen Wohnungen und kommen vor den Engagements nur zum Umziehen in das Geisha-Haus. «Manchmal fragt mich ein ausländischer Kunde, ob ich damals von meinen Eltern verkauft wurde», amüsiert sie sich.

Die meisten Okiyas haben heute Websites, und die Mädchen bewerben sich übers Internet. «Geisha ist ein Job. Schön, aber hart. Und leider viel zu selten geworden.» 394 Teehäuser mit Geishas weist der Vergnügungsführer von 1869 noch für Asakusas Tempelbezirk aus, die Geisha-Vereinigung stiftete sogar die grosse Steinlaterne am Sensoji, verziert mit den Namen der edlen Damen. Heute sind beim «Kenban», der offiziell zuständigen Geisha-Agentur in Asakusa, nur noch einundfünfzig Geishas registriert, vierzig davon arbeiten tatsächlich als exquisite Unterhalterinnen.

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du - Zeitschrift für Kultur
du - Zeitschrift für Kultur
Ausgabe 773
Thema: Tokyos altes Herz. Bei Kannon, der glücklichen Göttin
ISBN 978-3-03717-031-1
12,- Euro, 20 CHF
erhältlich im Buchhandel, am Kiosk oder unter www.dumag.ch

Fast schon Abendstimmung in der Nakamise. Die Farben leuchten ein bisschen bunter jetzt, Schulmädchen probieren kichernd Gummimasken mit Politikergesichtern an, Kinder belagern einen Stand mit Reiscrackern. Die alte Hure Asakusa lacht noch einmal auf. Schaut mich an, ruft sie heiser, ich habe alles, was ihr wollt, alles, alles, alles. Sie dreht sich und tanzt und schwankt ein wenig, der Schund lärmt und der Kitsch schreit.

Die Rollläden rattern herunter. Dunkelheit trübt die Farben ein. Norie greift nach ihrer Shamisen, Mano brüht sich selbst einen letzten Kaffee, bei den Ondos sitzen sie derweil vor einem dampfenden Topf mit weissem Reis und vor eingelegtem Gemüse, Tofu und Saba, Makrele. Am Rox und zwischen den Pachinkohallen klauben ein paar Obdachlose ihre Pappkartons zusammen, mit denen sie sich später in den Arkaden eine geschützte Bettstatt bauen werden.

Die Kannon empfängt ihre letzten Besucher; mit den Händen winken sie sich den Weihrauch vors Gesicht, wo er gegen Falten helfen und für einen klaren Kopf sorgen soll. «Es heisst», sagt der Mann am Ticketverkauf des Kabuki-Theaters, «dass die kleine Statue im Tempel in Wirklichkeit schon seit Jahrhunderten verschwunden ist.» Keiner weiss das so genau in Asakusa. Und vielleicht will es auch keiner so genau wissen. Solange morgen ein neuer Tag ist.
Mit bunten Ständen voller duftender Kaminariokoshi, Aufträgen für neue handbemalte Laternen, feingeschliffene Scheren, seidige Getas. Mit grellbunten Kabuki-Gesichtern auf den Bühnen und lärmender Achterbahn im Hanayashiki. Mit Spass, Lachen, Leben. Und einem mächtigen Sensoji, der im Licht der Tokyoter Sonne leuchtet.

Text: © Silke Pfersdorf, "du - Zeitschrift für Kultur"

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- Tabibito über Asakusa und Sensôji (D)
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- Für Freunde japanischer Festivals: Eine Übersicht der Festivals / Feste in Asakusa mit Datum und kurzer Info (E)
- Karten von Asakusa mit Restauranttipps (E) inkl. kurzer Info zu den gelisteten Restaurants
- Vorschlag für eine Fußgänger-Tour durch Asakusa mit Bildern + Stadtplan-Ausschnitt (E)
- Ausflugstipps in Asakusa. Auch einige interessante Geheimtipps! (E)
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- Sehr hilfreich: Etliche Bilder von Asakusa (Sensôji etc.) mit Lageplan, auf dem der jeweilige Standpunkt gekennzeichnet ist. (E)
- Asakusa bei Japan-Photo, dem ultimativen Bildarchiv für Japan (D)
- Bilder von Asakusa bei Wikipedia (D)
- Fotos von Asakusa bei Fotosearch.de (D)
- Noch mehr Bilder von Asakusa in einem der besten Photo-Archive über Japan (E)
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