...Respektvolle Stille stellte sich ein, und obwohl das Stimmengewirr zahlreicher anderer Besucher weiterhin ungehindert aus dem Foyer in die Nische hinüberdrang, war die Aufmerksamkeit der Zeremonie-Gäste jetzt auf die Bewegungen des Meisters gerichtet...(Artikel lesen...)
Was fällt Ihnen eigentlich ein... ...wenn Sie an Japan denken?
Vielleicht waren Sie schon in Japan? Bereiten Sie Sushi selber zu? Falten Sie gern Origami? Wissen Sie, wie man einen Kimono anzieht, wie man einen Obi bindet? Schreiben Sie für JAPAN access über ein Japan-Thema Ihrer Wahl! Wir veröffentlichen Ihren Text als Kulturspot. (mehr über inhaltliche Beiträge...)
JAPAN access Kulturspot:
Einblick in die japanische Teezeremonie Teezeremonie beim Japan Festival 2004 "Aus dem Herzen Japans", Museum für Ostasiatische Kunst, Köln
Anzeigen
Die Teezeremonie verlief nicht ganz so formell, wie ich sie in Erinnerung hatte. Am Ende eines Seitenganges standen vor einem goldenen Paravent zwei niedrige Tische mit dem Zubehör für die Zeremonie nebst leuchtend roten Papier-Sonnenschirm und einem einsamen Blumengesteck. Zur Erleichterung meiner Füße hatte man gänzlich darauf verzichtet, die Gäste auf dem Boden Platz nehmen zu lassen und stattdessen eine Reihe von Stühlen und Bänken aufgestellt. Dies sei inzwischen selbst unter Japanern üblich, wenn die Teezeremonie im Garten stattfände, so Teezeremonie-Meister Ulrich Haas Sôshiki Seizen. Aufgrund des schlechten Wetters hatte man allerdings kurzerhand das Ganze nach Drinnen verlegt.
Nach einer kurzen Einführung in die geschichtlichen und philosophischen Hintergründe der Zeremonie reichte man den Gästen eine kleine Süßigkeit auf einer Papierserviette (ich glaube, es waren kandierte Kakistücke), dann verschwand der Teemeister hinter dem goldenen Paravent, um kurz darauf mit einer Teeschale, Teebesen und Teedose bestückt wieder zu erscheinen.
Respektvolle Stille stellte sich ein, und obwohl das Stimmengewirr zahlreicher anderer Besucher weiterhin ungehindert aus dem Foyer in die Nische hinüberdrang, war die Aufmerksamkeit der Zeremonie-Gäste jetzt auf die Bewegungen des Meisters gerichtet. Dieser nahm ein Utensil nach dem anderen zur Hand - stets sehr konzentriert und mit ruhigen, wohlüberlegten Bewegungen - und begann mit der Teezubereitung.
Wenn unsereins Tee "zubereitet", bedeutet das meist nichts anderes als Wasser kochen, aufschütten und trinken. Spätestens nach 5 Minuten ist der Tee fertig. Man trinkt dieses Produkt der Eile dann nebenbei, unbewußt.
Bei der japanischen Teezeremonie hingegen wird nichts dem Zufall überlassen, man versenkt sich ganz in den Augenblick, Zeit spielt keine Rolle.
Jeder Bruchteil einer Handbewegung ist festgelegt und verläuft in vorherbestimmten Bahnen. Es mag den Neuling freilich etwas seltsam anmuten, wenn der Teemeister, anstatt den Schöpflöffel direkt zu ergreifen, zuerst einen Umweg mit der Hand macht, als ob er ein unsichtbares Hindernis umfahren müßte. Und beinahe amüsant ist es, zu beobachten, daß das winzige Wischtüchlein immer wieder auf diesen gewissen Deckel, und nicht etwa auf den Tisch, gelegt wird.
Angesichts dessen könnte man sich als gewöhnlicher Teetrinker schon fast wie ein ungebildeter Einfaltspinsel vorkommen, wenn man nicht schon diverse Einblicke in diesen hochkonzentrierten Bestandteil der japanischen Kultur gewonnen hätte.
Im Rahmen des Japanfestivals war es leider nicht möglich, in den Genuß einer ungekürzten Teezeremonie zu kommen, also nahmen wir mit der Light-Version Vorlieb, die aber trotz allem nicht weniger sorgfältig und professionell durchgeführt wurde. Für die Zeremonie-Neulinge war dies genau die richtige Dosis, um einen kleinen Einblick zu ermöglichen, um neugierig zu machen. Manche verzogen das Gesicht angesichts der grünen, leicht schaumigen Substanz in der Teeschale, probierten aber wacker, um sich dann für oder gegen den Tee zu entscheiden.
Grundwörter Teezeremonie: matcha: feines, grünes Pulver aus Gyokuro-Tee gyokuro: japanischer Tee der besten Qualität chashitsu: Teezimmer, in dem die Teezeremonie durchgeführt wird hishaku: hölzerner Schöpflöffel, mit dem das heiße Wasser geschöpft wird. chashaku: hölzerner Spatel für das Einfüllen des Teepulvers in die Teeschale chasen: Teebesen (damit wird der Tee schaumig gerührt) chawan: Teeschale
Die 4 Prinzipien der Teezeremonie: wa (Harmonie), kei (Respekt), sei(Reinheit), jaku (Stille)