
"Trostfrauen" ist ein euphemistischer (beschönigender) Ausdruck für zehntausende Frauen und Mädchen zwischen 12 und 22 Jahren, die vor allem während des 2. Weltkrieges in China, Korea, Korea und China, Thailand, Vietnam, Malaysia, Indonesien und den Philippinen von japanischen Soldaten missbraucht wurden. Ein Teil von ihnen musste 10 und mehr Jahre lang den japanischen Soldaten "dienen".
Die japanische Regierung hat seitdem nie ernsthaft eine Entschädigung für die Betroffenen in Erwägung gezogen.
Wir geben im Folgenden einen kurzen chronologischen Überblick über die Ereignisse im Zusammenhang mit der Problematik der "Trostfrauen":
1990: Erstmalige Erwähnung des Themas "Zwangsprostituition im Rahmen des Weltkriegs" im japanischen Parlament. Fazit: Eine Entschuldigung bei den betroffenen Frauen oder die Zahlung von Entschädigungen seien nicht notwendig. Verantwortlichkeit von Privatpersonen, des japanischen Staates oder des japanischen Militärs wird nicht gesehen.
1992: Der Historiker Yoshikazu Yoshimi (Chuo-Universität Tokyo) findet in Militärdokumenten Beweise für die Beteiligung der japanischen Armee an der Beschaffung von Frauen für die Kriegsbordelle.
1993: Die japanische Regierung erkennt die Zwangsprostitution im 2. Weltkrieg offiziell an.
1994: Die Beweise von Yoshikazu Yoshimi zwingen die japanischen Regierung zur Aufnahme des Themas "Zwangsprostitution" in die japanischen Schulbücher. Darauf folgt ein jahrelanger und schliesslich erfolgreicher Kampf liberaldemokratischer Politiker, jegliche Hinweise auf dieses Kapitel der japanischen Kriegsgeschichte wieder aus den Schulbüchern zu entfernen.
1995: Gründung des teilstaatlichen "Fond für asiatische Frauen" durch die Regierung. Die Leitung des Fonds hatte der damalige Premierminister Tomiichi Murayama. Von insgesamt 11 Millionen, die teils aus privaten und teils aus Regierungsgeldern stammten, erhielten 360 ehemalige Zwangsprostituierte Zahlungen, die jedoch nie als "Entschädigung", sondern als "medizinische Unterstützung und Sozialhilfe" bezeichnet wurden.
2001: Der ehemalige japanische Premierminister Junichiro Koizumi hatte 2001 seinem "tiefen Bedauern" über die "unermesslichen und schmerzlichen Erfahrungen" Ausdruck gegeben, die japanische Soldaten Frauen zugefügt hatten und somit zumindest eine gewisse Verantwortlichkeit zugegeben.
1.März 2007: Nachdem bekannt wurde, dass der US-Kongress eine Resolution zur Zwangsprostitution in Japan plante, erklärte der heutige japanische Premierminister Shinzo Abe, dass es für einen etwa auf Frauen ausgeübten Zwang keinerlei Beweise gebe und betonte, er werde selbst im Falle einer Resolution nicht förmlich um Verzeihung bitten.
26. März 2007: Aufgrund der heftigen Diskussion um das umstrittene Thema war schliesslich auch Premierminister Abe zu einer entschuldigenden Äusserung gezwungen, nahm seine vorangegangenen Äußerungen jedoch nicht zurück.
Ende März 2007: Auflösung des "Fond für asiatische Frauen" aus Gründen der "Verjährung"
Ende April 2007: Erklärung des höchsten Gerichts Japans, dass die ehemaligen Zwangsprostituierten kein Anrecht auf Entschädigung haben.
30.07.2007: Resolution des US-Repräsentantenhauses mit der Foderung an die japanische Regierung, sich offiziell und unmissverständlich zur Zwangsprostitution im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg zu bekennen, sich dafür zu entschuldigen und die historische Verantwortung zu übernehmen.
Bis heute hält die japanische Regierung historisches Material zurück, das über die staatlich organisierte Zwangsprostitution aufklären könnte.
Die Tokioter Anwältin Noriko Omori vertritt seit Beginn der Neunziger Jahre eine Vielzahl der Betroffenen und klagt in ihrem Namen gegen die japanische Regierung. Von 9 grossen Sammelklagen, die die Anwältin ehrenamtlich angestrengt hat, hat sie keine einzige gewonnen.
Text: © JAPAN access
Links zu Informationen über Trostfrauen / Zwangsprostitution:
- Deutscher Wikipedia-Artikel: Trostfrauen
- Englischer Wkipedia-Artikel: Comfort Women
- Amnesty International: "Weder Trost noch Gerechtigkeit für 'Trostfrauen'“
- Amnesty International: "Sechzig Jahre warten - Gerechtigkeit für die Überlebenden des japanischen Systems militärischer sexueller Sklaverei"
- Japan Policy Research Institute (JPRI):
Japan's Responsibility Toward Comfort Women Survivors
- Chunghee Sarah Soh, Ph.D., San Francisco State University: The Comfort Women Project
- Spiegel online: "Zwangsprostitution -
US-Repräsentantenhaus verlangt nachträgliche Entschuldigung Japans"
- Google-News
- China.org: "China veröffentlicht Studie zu 'Trostfrauen'"
(Bei den meisten o.g. Links finden sich auch zahlreiche nützliche Literatur-Tipps)
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