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VERTRAUEN Grundsätzliches zum erfolgreichen Japangeschäft zu Teil 1 | zu Teil 2 |
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Der von Japankennern gern zitierte Begriff AMAE (bestmögliche Übertragung „the anatomy of dependence“) reflektiert präzise japanische Psyche in ihrem Verhältnis zu Staat, Familie und Beruf. Konfuzianistisches Ideal der gruppenverantwortlichen Selbstkultivierung sowie urjapanisch shintoistisches Clan- und Hierarchie-Diktat kreieren auch heute noch einen Menschentyp, der in ständiger Abhängigkeit von Vorgesetzten (Mutter, Lehrer, Chef, Kunde etc.) lebt, deren Fürsorge bedarf und ihnen dafür Loyalität schuldet und garantiert. Verzicht auf Individualität und „Egoshooting“, Abtauchen in der Gruppe (u.a. Firma), Hemmung und Rückversicherungsdrang bei Entscheidungen, Zurückhaltung bei Übernahme von Verantwortung sind daher typische Charakterzüge besonders älterer Japaner, die gegenwärtig völlig unvorbereitet dem Konkurrenzdruck junger japanischer Mitarbeiter gegenüberstehen, deren Ausbildung oft im Ausland (u.a. USA) stattfand und die jetzt mit neuen, westlichen „Ich-Erfolgs-Strategien“ die japanische Gesellschaft verunsichern. Doch erfüllen auch diese „Jungen Rebellen“ nur ansatzweise westlichen Bedarf an Innovation und Entscheidungsbereitschaft. Seien Sie also gerade im Anfang gemeinsamer Wirtschaftsaktivitäten bereit zu Geduld und Toleranz, üben Sie sich im Mitdenken und Mitfühlen, intensivieren Sie ihr Leadership-Potential und korrigieren Sie voreilige Erwartung japanischer Eigenleistung sowie Innovations-Bereitschaft. Tragen Sie ihn bei anfänglichen Problemen auf breiten Schultern. Ihr japanischer Geschäftspartner wird es Ihnen durch Vertrauen, Loyalität und konstanter Bereitschaft zum gemeinsamen Erfolg danken. Seine unerschütterliche Verlässlichkeit und sein hohes Pflichtbewusstsein werden Ihnen stets imponierender Beweis für vertrauensvolle Zusammenarbeit sein, besonders dann, wenn Sie Ihre Fürsorge nicht nur auf das Geschäftliche beschränken sondern mehr noch auf den privaten Bereich ausdehnen. Der eben erwähnte Begriff Ningen Kankei“ (menschliche Beziehung) erweist sich hier, neben beruflicher Aktivität, als Epizentrum einer Beziehung, deren Bindung durch gegenseitiges Vertrauen geknüpft ist. Als ein Schwerpunkt von NINGEN KANKEI ist der abendliche Umtrunk unter Kollegen zu nennen. Teilnahme ist Pflicht, Mittrinken unbedingt anzuraten, ebenso das Mitsingen (Karaoke). Alles dient der Intensivierung von Gemeinsamkeit aber auch der Kenntnisnahme manch kleinen Geheimnisses, das man ohne Umtrunk-Teilnahme nie erfahren würde. Wichtig! Am nächsten Tag sollte darüber kein Wort verloren werden, denn „Saufen“ gehört zum geheimen Tabu- bzw. Subbereich japanischen Berufslebens, das vorrangig das Wir-Gefühl stärkt und gegenseitiges Vertrauen evoziert. Untermauert wird Ningen Kankei weiter durch saisonbezogene Glückwunschkarten und Geschenke, deren Erfolg häufig auf Einfühlungsvermögen und Insider-Wissen beruht. Schließlich dienen alle Beweise menschlicher Zuneigung der Kreation und Stärkung eines japanischen Grundbedürfnisses – nämlich der Schaffung von Harmonie (WA). Harmonie ist Ausgangspunkt, Sphäre und Ziel jeglicher gemeinsamer Tätigkeit. Vertrauen bildet die Voraussetzung. Das japanische Harmonie-Diktat verbietet vorschnelle, alleinige Entscheidungen und bedingt die Rückversicherung durch die eigene Gruppe (Firma). Das kostet Zeit. Das verlangt von Ihnen Geduld sowie ein möglichst breites finanzielles wie nervliches Polster. Harmonie-Gebundenheit und Konsens-Pflicht kennen u.a. ein probates Mittel zur Flurbereinigung bei Problemen – die Entschuldigung! Gänzlich unbedeutend ist dabei, ob Sie tatsächlich der Schuldige sind. Wichtig allein ist die Schaffung einer ausgeglichenen Kommunikationsebene, wo keiner fürchten muss, sein Gesicht zu verlieren. Lernen Sie also die Grundtechniken des Nachgebens, des vorsichtigen Taktierens und nicht zuletzt der Geschicklichkeit, stets vertrauensvoll harmonisches Zusammenwirken zu bestärken. Dazu gehören Erfahrung und Wissen im Umgang mit einer weiteren Anzahl japanischer Verhaltensweisen wie etwa die Vereinbarkeit von japanischer „Fassade“ (TATEMAE) und „wahrer Absicht“ (HONNE), die stets Negatives absorbiert und das Ziel einer Aktion auch durch vorläufige Täuschung zu erreichen sucht. Hier betreten wir einen äußerst komplizierten Bereich der Vertrauensbildung, wo vor allem intime Kenntnisse japanischen Verhaltens notwendig sind, die oftmals der längeren Erfahrung vor Ort bedürfen. Abschließend erscheint es notwendig, neben manchem noch Ungenannten ein weiteres Wesensmerkmal ihres möglichen japanischen Partners zu erwähnen – nämlich die “Loyalität“ (MAKOTO). Das Wesen des Kriegers (Samurai), seine tiefe Affinität zu Pflichterfüllung (giri) und Treue findet hier ihren Ausdruck. Makoto bezeichnet die stets loyale Beziehung u.a. zu Familie und Firma aber auch zu Freund und Geschäftspartner. Makoto entspringt der eigenen Schuld und Verpflichtung durch erhaltene Erziehung, Fürsorge und Förderung. Makoto kann nicht negiert oder gar abgelegt werden. Makoto ist Teil japanischen Wesens. Und viele Japaner sind sich bewusst, dass ein Ausländer (hier besonders Amerikaner) makoto gar nicht haben, geschweige denn leben kann. Folgerichtig sucht der Japaner beim Prozess der Vertrauensbildung mit Ihnen die möglichst umfassende Absicherung. Risikominimierung ist demnach ein Faktor, der japanisches Mitwirken bestimmt. Tragen Sie ihm deshalb keine gewagten Unternehmungen an, übervorteilen Sie ihn nie und sparen Sie mit aggressiv vorgetragenen Anforderungen. Seien Sie sich bewusst, dass Ihr japanischer Partner Überraschungen und Abenteuer lieber im Tokyo-Disneyland sucht, sie aber bei beruflichen Projekten scheut. Besser Sie geben ihm die Sicherheit eines loyalen Partners, dessen Handeln durch Nachvollziehbarkeit, Kompatibilität und Wir-Gefühl bestimmt ist. Vertrauen gründet sich in Japan nie auf Alleingänge – Vertrauen ist immer Klebstoff der Gemeinsamkeit. Überzeugen Sie deshalb ihren japanischen Partner mit Eigenschaften, die er nicht unbedingt zum Wesen westlicher Menschen zählt, wie etwa Zurückhaltung, Toleranz, Einfühlungsvermögen und ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Geduld, denn schon ein japanisches Sprichwort lehrt: „CHIRI MO TSUMOREBA, YAMA TO NARU“ Viel Erfolg wünscht die ● Japanberatung – Dr. Blassen
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