
Matcha – Medizin, Erleuchtung und moderner Lifestyle
Matcha, der Pulvertee für die japanische Teezeremonie, hat in Japan eine jahrhundertelange Tradition. Bis vor wenigen Jahren in Europa nur von Kennerinnen und Kennern getrunken, gehört Matcha in jüngster Zeit zu den Erscheinungen auf dem europäischen Teemarkt, die sich am schnellsten verbreiten und am vielfältigsten sind.
Zum einen wächst die Gemeinde der Teezeremonie-Praktizierenden und derjenigen, welche Matcha im klassischen Stil zubereiten. Zum anderen ist der zu Pulver gemahlene Tee auf scheinbar unbegrenzte Weise für moderne Drinks sowie zum Kochen und Backen geeignet. So entwickeln sich eine Vielzahl von Trends rund um das Getränk, welches ursprünglich von buddhistischen Mönchen als Medizin sowie als konzentrationsförderndes Mittel bei Meditationsübungen verwendet wurde.
Was ist Matcha?
Matcha wird aus Tencha hergestellt, der zu Pulver gemahlen wird. Tencha wächst auf Schattenfeldern (Ooishita-en), die drei bis vier Wochen vor der Ernte (ab Mitte April) abgedeckt werden. Dadurch erhalten die Teeblätter reduzierte Sonneneinstrahlung und entwickeln mehr Aminosäure und weniger Gerb- und Bitterstoffe.
Nur die obersten, frisch gesprossenen Blätter werden gepflückt (in der Regel per Hand) und noch am selben Tag der Ernte gedämpft. Dadurch wird der Oxidationsprozess verhindert und die Blätter behalten ihre grüne Farbe. Im nächsten Schritt werden die Blätter ca. 20 Minuten lang unter Hitzezufuhr getrocknet.
Bis hierhin gleichen sich die Verarbeitungsmethoden von Tencha und Gyokuro. Anstatt die Teeblätter nun auf verschiedene Arten zu rollen, werden die Tencha-Blätter als nächstes von Stängeln, Blattadern etc. getrennt, bevor sie weiter (ohne Rollen) getrocknet werden.
Daraufhin werden die Blätter in Steinmühlen zum eigentlichen Matcha gemahlen, einem sehr feinen Pulver. Dieser Prozess ist sehr langwierig: eine Mühle mahlt pro Stunde nur etwa 40 g Matchapulver.

Weil die Intensität von Geschmack und Geruch in der pulverisierten Matcha-Form schnell nachlässt, bewahren Teeanbauer den Tee in der ungemahlenen Tencha-Form auf.
Matcha trinken ist so, als würden Sie Teeblätter essen: Sie nehmen mit ihm 100% der wertvollen Inhaltsstoffe von grünem Tee (von denen viele nicht wasserlöslich sind) auf.
Wie entstand die Matcha-Kultur in Japan?
Es ist überliefert, dass zu Beginn des 9. Jahrhunderts buddhistische Mönche zum ersten Mal Teesamen aus China nach Japan brachten; diese wurden in der Nähe von Kyoto angepflanzt, schienen jedoch langfristig keine allzu große Bedeutung erreicht zu haben. Im 12. Jahrhundert brachte der Mönch Eisai erneut Teesamen aus China nach Japan, die in der Gegend um Uji (Kyoto) gepflanzt wurden. Dies gilt als die Geburtsstunde des Uji-Chas und damit der japanischen Teekultur. Der Tee wurde wie in China zu Pulver vermahlen, und mit der Zeit entstand aus dem überlieferten chinesischen Zen-Ritual des gemeinsamen Teetrinkens die hochentwickelte Kultur der japanischen Teezeremonie.
Matcha war somit die erste Art, auf die in Japan Tee getrunken wurde. Aus Blättern gebrühter Tee entstand erst später: in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in der Uji-Gegend eine Methode entwickelt, bei der die Teeblätter nach dem Dämpfen und Trocknen gerollt wurden. Dies sollte den Beginn der Sencha-Produktion markieren.
Was Sie bei der Matcha-Qualität beachten sollten
Matcha gibt es in unzähligen Qualitätsstufen, von den höchsten Graden für die Teezeremonie bis zu niedrigen Graden für die Massenproduktion von Koch- und Backwaren. In der Regel ist die Farbe des gemahlenen Pulvers bereits ein Indiz für die Qualität: hochwertiges Matchapulver hat ein helles, leuchtendes Jadegrün im trockenen Zustand und ein dunkles, leuchtendes Jadegrün, nachdem es mit einem Bambusbesen aufgeschlagen wurde. Niedrigere Qualitäten sehen dagegen häufig blass aus, können ins Bräunliche gehen oder einen Gelbstich haben. Neben dem Farbverlust wirkt sich der Gütegrad vor allem auf den Geschmack aus: dieser kann bei geringerer Qualität sehr bitter bis sauer ausfallen.
Darüber hinaus sollten Sie beachten, dass es auch Sencha und andere Grüntees in pulverisierter Form gibt. Die Qualität dieser Tees steht denen der niedrigen Matcha-Grade noch einmal um Weites nach. Meist gibt die Kennzeichnung auf der Verpackung zwar eindeutige Hinweise darauf, ob es sich um „echten“ Matcha handelt, oder um eine andere gemahlene Teesorte. Leider tauchen in Europa und Amerika jedoch immer wieder „Matcha-Fakes“ auf. Achten Sie deswegen beim Kauf darauf, inwieweit eine Rückverfolgung von Herkunftsregion und Produktionsbedingungen möglich ist.
Text und Fotos: © MaikoTee (Maiko no cha) www.maikoteashop.com
Autorin: Johanna-Leonore Dahlhoff
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Japanischer Grüntee im Internet:
- Maiko Tea: Hier bietet der Hersteller selbst hochwertigen japanischen Grüntee an. Unbedings sehenswert ist hier auch "Chakos Tee-Entdeckungsreise", in der das Mädchen Chako und ihre Katze sich von Professor Teekanne anschaulich und unterhaltsam Grundwissen über japanischen Grüntee vermitteln lassen! (D, E, J)
- Wikipedia: Einführung über grünen Tee bei Wikipedia (D)
- Teebuch: Das Teebuch widmet sich neben anderen Teesorten auch Informationen über verschiedene Grünteesorten. (D)
- Chasen: Klein aber fein, hat sich dieser Tee-Versand dem Import von Tee und Tee-Zubehör mit Herz und Seele verschrieben. Auch hier besteht enger Kontakt zu japanischen Tee-Herstellern. (D)
- W.I.T. (wissenschaftl. Informationsdienst Tee): Wer wissenschaftliche Fakten über Grüntee und andere Teesorten vorzieht, dem sei diese PDF-Datei empfohlen. Hier wird z.B. der Frage nach dem Koffein-Gehalt von Grüntee nachgegangen. (D)
- Hobbythek Tipp Nr. 287: Auch die Hobbythek hat sich ihre Gedanken über Grüntee gemacht. Die Informationen basieren anscheinend allerdings auf chinesischem Grüntee. Aus dem Inhalt: Inhaltsstoffe, Zubereitung, Kochen mit grünem Tee (Rezepte), Grüne Kosmetik. (D)
Literatur über grünen Tee:
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